Konzept

Das Diplomprojekt „Typografie, Zeit, Reaktion“ beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit sich Zeit als Gestaltungsparameter in Typografie implementieren lässt. Wieviele gestalterische Informationen kann ein Buchstabe zusätzlich aufnehmen? Wie weit lassen sich die Darstellungsmöglichkeiten ausreizen, ohne die charakteristische Form des Buchstabens zu zerstören und ihn somit unlesbar zu machen? Ist es möglich, anhand der entstandenen Form die Uhrzeit abzulesen? Es werden sechs verschiedene Ansätze präsentiert, die die Parameter „Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate oder Jahre“ mit einer selbst entworfenen Schrift in Relation stellen.

Pro Ansatz gibt es eine Dokumentation in gedruckter Form, der je drei Plakate angefügt sind und eine Animation, die den zeitlichen Ablauf des Versuches visualisiert.

Das Projekt wurde von Prof. Sabine an Huef betreut.

Versuchsaufbau-A

Die Grundidee des Versuchsaufbaus–A beruht auf dem System der astronomischen Sonnenuhr. Sonnenuhren zeigen die Tageszeiten mit Hilfe des Standes der ­Sonne, die einen Schatten auf ein Ziffernblatt wirft. Diese ­Methode soll beim Versuchsaufbau–A gestalterisch auf die Typografie übertragen ­werden. Ähnlich wie bei der Sonnenuhr soll eine Erhebung, je nach Uhrzeit, einen Schatten werfen und im Resultat eine deutliche Form herausstellen.
Neben dem Parameter des Sonnenstandes sollen Monate zudem eine optische Komponente bilden. Nach Möglichkeit soll man anhand der typografischen Form intuitiv die Uhrzeit ablesen können.

Versuchsaufbau-B

Die Grundidee des Versuchsaufbaus-B beruht auf der Vergänglichkeit der Zeit. Dinge, die in eine gedankliche Vergangenheit rücken, werden undeutlicher und verschwimmen. Fragmente verschwinden spurlos aus der Erinnerung, je ­weiter ihre Gegenwart zurück liegt, und sind nicht weiter zu entschlüsseln.
Buchstaben verblassen nach und nach, je weiter sich unsere Erinnerung entfernt.

Versuchsaufbau-C

Beim Versuchsaufbau-C soll als Grundidee eine möglichst hohe Anzahl an Zeitparametern in den Buchstaben implementiert werden. Wieviele ­Informationen kann ein Buchstabe zusätzlich aufnehmen? Wie weit kann man die Darstel­lungsmöglichkeiten ausreizen, ohne die Form des Buchstabens zu ­zerstören und ihn somit unlesbar zu machen? Hier gilt es, die Waage zwischen Lesbarkeit und erhöhtem zusätzlichen Informationsgehalt zu halten und die Grenzbereiche weitesgehend zu erforschen. An welchen Punkt schlägt die Erfassbarkeit des Buchstabens in Unverständnis um? Gibt es genügend Darstellungsmöglichkeiten und lassen sie Spielraum um eine direkte Ablesbarkeit zu gewährleisten?

Versuchsaufbau-D

Ziel des Versuchsaufbaus–D ist es, die Uhrzeiten hinter eine eigene Verschlüsselung zu stellen. Das bedeutet, dass sich hinter jeder Zeit ein bestimmtes Erscheinungsbild verbirgt. Voraussetzung ist natürlich, dass der Rezipient den Code entschlüsseln kann und somit in der Lage ist, die ­richtige Zeit zu lesen. Es stellt sich hier die Aufgabe, wieviele unterschiedliche Erscheinungsarten man braucht? Wie deutich müssen sie sein, um schnell und einfach gelernt zu werden? Was für eine Veränderung macht zu welcher Zeit Sinn und welche Veränderungen eignen sich? Gibt es überhaupt ausreichende gestaltungstechnische Mittel um diese Codierung zu bedienen?

Versuchsaufbau-E

Beim Versuchsaufbau–E soll die Form der Typografie nicht verändert werden. Die Veränderung entsteht durch die Drehung der Buchstaben, die in ihrem Winkel an die Stellung des Stunden-, Minuten- und Sekundenzeigers angelehnt sind. Ziel des Versuches ist es, herauszufinden ob die zeitliche Verän­derung ablesbar ist obwohl, sich die Form des Buchstaben nicht ändert. Zur Orientierung dienen die Winkel eines analogen Ziffernblattes. Da Minuten und Stunden auf der gleichen Stellung liegen, müssen die Buchstaben zur Unterscheidung eingefärbt werden.

Versuchsaufbau-F

Beim Versuchsaufbau–F soll der zeitliche Faktor anhand der Outline des Buchstabens abgelesen werden, die sich wie ein Ladebalken aufbaut. An der Länge der Strecke soll die fortgeschrittene Zeit verdeutlicht werden. Um in den Buchstaben die drei variablen Stunden, Minuten und Sekunden unterzubringen, gibt es unterschiedliche Parameter: Outlines, die in sechzig gleiche Abschnitte geteilt sind (Sekunden und Minuten) und Outlines, die sich zwölf mal in gleichmäßigen Abständen um die Ausgangsform legen (Stunden).